Das Blatt schmeckte bitter. Gola kaute zaghaft darauf herum und versuchte, es nur mit dem Rand seiner Zunge zu berühren. Sie waren oft bitter, die Blätter, die übrigblieben, wenn die ganze Herde sich sattgefressen hatte.
Da drüben lagen sie, Asan und die anderen, im Schatten unter dem Mangrovenbaum. Sie verdauten. Gemütlich sah das aus, die langen Hälse nach hinten gebogen, auf den vollen Bäuchen abgelegt. Ob sie wohl von süßeren, großen Blättern träumten, noch größer und süßer als die, die sie gerade gefressen hatten?
Gola seufzte und schluckte sein Blatt halb zerkaut hinunter. Eines, ein letztes lag noch auf dem Boden. Wollte er es essen? Bestimmt war auch dieses Blatt bitter. Aber sein Magen war noch nicht satt.
Etwas juckte auf Golas Rücken. Gola drehte den Hals nach hinten, um sich zu kratzen, aber er kam nicht zu der Stelle. Sein Hals war zu kurz. Wieder einmal. Wie immer.
„Hey, Gola, ich hab was für dich“, sagte da Amlis Stimme. Gola richtete sich auf.
„Ich hab da hinten ein paar Gräser gefunden und mir gedacht, die schmecken Dir sicher.“
„Danke“, sagte Gola.
„Warte, ich kratze dich“, sagte Amli. Sie kam so nah zu Gola, dass er die Gräser aus ihrem Mund holen konnte. Ganz vorsichtig, damit keines runterfiel. Dann fuhr sie mit ihrer dunkelblauen Zunge über Golas fleckiges Fell. Sehr angenehm war das.
„He, Amli, willst du nicht in den Schatten?“, rief Asan.
„Geh ruhig“, sagte Gola. Es juckt nicht mehr. Danke für die guten Gräser.“