Lektion 1: Du hast schon alles, was du brauchst
Du hast schon alles, was du brauchst
Schreib einfach los – mit allem, was du (nicht) kannst
In dieser ersten Lektion öffnest du die Tür zum Poetry Slam Schreiben – ganz ohne Leistungsdruck, aber mit viel Freude am Ausprobieren. Du brauchst nichts zu wissen, nichts zu können, nichts zu leisten. Alles, was du mitbringen musst, bist Du selbst: mit deiner Stimme, deinem Alltag und deiner Welt (innen und außen).

Wir beginnen mit einem augenzwinkernden Entschuldigungsschreiben und enden – hoffentlich – mit deinem allerersten, ganz und gar unperfekten, aber mutigen Text. 

Du wirst sehen: In der Unvollkommenheit steckt ungeheuer viel poetische Kraft.
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Einleitung – Schreib dich frei!

In dieser ersten Einheit begrüße ich dich in unserem Kurs und gebe dir einen Einblick, worum es beim Schreiben von Poetry Slam Texten wirklich geht – nämlich um Freiheit, Lust, Stimme und Ausdruck. Du erfährst, was Poetry Slam kann (statt was es ist), warum du keine Vorkenntnisse brauchst und wie wir gemeinsam deine sprachliche Ausdruckskraft entfalten.

📌 Was dich erwartet:

💛 Ein herzlicher Einstieg in den Kurs
💛 Erste Gedanken über das Wesen von Slam-Texten
💛 Warum du nichts „richtig“ machen musst, um richtig gut zu sein
💛 Ein Vorgeschmack auf unsere sechs poetischen Etappen


Video-Länge: 12:33 Minuten 
Alles klar? Dann kann es weitergehen!
Hier ist die erste Übung für dich: Schreib dich raus aus dem Druck

Hast du manchmal das Gefühl, du müsstest beim Schreiben sofort genial sein? Dann ist diese erste Übung wie für dich gemacht. Du verfasst eine formelle Entschuldigung an die Kursleitung, warum du heute keinen besonders guten Text schreiben wirst – und befreist dich so auf charmante Weise von deinem inneren Druck.

📌 Was dich erwartet:

💛 Ein augenzwinkernder Einstieg ins Schreiben
💛 Eine kraftvolle Strategie gegen Leistungsanspruch
💛 10 Minuten Schreibzeit, die überraschend viel auslösen können
💛 Inspiration durch meinen eigenen Entschuldigungs-Text


Video-Länge: 4:51 Minuten 
Perfekt! Entschuldigung voll akzeptiert 😉
Übung 2: Mach deine Schwächen zu Stärken!

Jetzt wird’s ernst – und lustig. 😀 In dieser Übung schaust du deine Schreib-Ängste liebevoll an und machst sie zum Rohmaterial deines ersten richtigen Textes. Du schreibst über ein Thema, das Dir sehr vertraut ist, und lässt dich dabei von den Dingen leiten, die du eigentlich nicht gut kannst. Eine Übung, die tief geht – und Dich in kreative Höhen führen wird.

📌 Was dich erwartet:

💛 Zwei ehrliche Listen
💛 Ein poetischer Trick: Schwächen als Stilmittel nutzen
💛 30 Minuten Schreibzeit für deinen ersten Slamtext
💛 Ein sehr alltagstaugliches, sehr gefühlsträchtiges Thema 🤪

Video-Länge: 15:06 Minuten 
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Hier mein Beispiel für Dich: 
SCHOKOLADE - Slam
Schokolade.mp3
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Mein Beispiel (Schwächen zu Stärken machen): Schokolade

 
Schoko …
Schohoooko 
Schokommmmmh … 
 
Immer glaube ich, ich werde nicht fertig. 
Immer glaube ich, ich schaffe es nicht, fertig zu werden, 
die Tafel nicht fertig zu machen, 
nicht aufzuessen bis zum letzten Brösel. 
Immer glaube ich das. 
 
Haben Sie das auch schon bemerkt, dass auf Schokoladentafeln immer steht: 
Mindestens haltbar bis 
Und dass das einfach nicht stimmt?!
Keine einzige Schokolade hält doch, bitte, jemals sechs Monate im Schrank. 
 
Okay, Osterhasen vielleicht. 
Oder diese Kringel vom Christbaum. Rosa weiß, 
Aber die sind ja auch gar nicht aus Schokolade. 
 
Also ich jedenfalls: Wenn mir so eine Schokolade entgegen schaut, 
das Silberpapier so kess über die Schulter gezogen, 
die oberen Rippen entblößt, bis … 
dann überkommt mich einfach dieser Impuls: 
Anbeißen, abbeißen, schmelzen lassen, vernaschen. 
 
Öhm. 
Wieso lachen Sie nicht über diesen Vergleich? 
Schokolade als Pin up Girl im Negligee – und ich. 
Okay, wenn ich ein Mann wäre, hätten Sie dann gelacht? 
Nö, nö. Wäre doch voll sexistisch gewesen. Das geht ja heutzutage gar nicht. 
Wenn hier jemand irgendjemand auf offener Bühne. Frauen – nein: Dinge oder Metaphern, 
denen Frauenänhliche Attribute zugeschrieben werden (Merken Sie den Wortwitz? Zugeschrieben)
… zugeschrieben werden, wenn hier jemand die vernaschen darf, dann sind das doch wir Frauen, oder? 
 
Oder ist das dann ein Genderproblem oder so irgendwas mit LGBT oder 
Mist, ich bin in all dem nicht so firm. 
 
Ist ein bisschen so wie mit der Rechtschreibreform. 
Die hat mich kurz vor der Matura erwischt und bis heute weiß ich nicht, was jetzt eigentlich wie gilt. Katastrophe. 
 
Nur gut, dass mein Mann fast gleich alt ist wie ich. 
Der hat das Problem auch. 
Also das Rechtschreibproblem. 
 
Mit Gendern kennt er sich aus. Ganz offiziell. 
Und mit dem Vernaschen – also, da sind bei uns die Rollen ganz klar verteilt. 
Gleichberechtigt. 
 
Schokoladenmäßig, versteht sich. 
Noch ein Grund mehr, das Ding ganz aufzuessen. 
Sonst tut er es nämlich. Und er nimmt gerade ab. 
 
Es ist also quasi ein altruistischer Akt, 
wenn ich nach dem ersten Bissen den zweiten lutsche 
und den dritten 
und den vierten, den kaue ich dann schon 
und die nächste Rippe schon schneller und die dritte Rippe dann schon, 
eher so wie einen Müsliriegel. 
 
Ich affirmiere mir das dann auch: Ist Müsli. Ist total gesund- Hat Ballaststoffe. 
Und das Braune ist … Obst. 
 
Und dann? 
Dann hoffe ich immer, dass das passiert, was meine Mama immer gesagt hat: 
Dir wird schlecht werden. 
 
Aber nein, mir wird überhaupt nicht schlecht, 
sondern ich will das Ding fertigkriegen. 
 
Weil irgendwie hat sie das doch auch immer gesagt – oder war das mein Papa? 
Dass man Dinge fertig machen soll und nicht mittendrin aufhören. 
 
Obwohl ich ja weiß, dass das schokotechnisch gesünder wäre. 
Vielleicht nicht für meinen Mann, aber für mich. 
Mittendrin. Aufhören. 
Mittendrin. 
 
Ich schaff das fast nicht. 
Aber wissen Sie was? 
Ich tu es jetzt einfach. 
 
Aufhören. 
Mittendrin.
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Bist du fertig? Dann geht es mit dem nächsten Modul weiter.