Mein Beispiel (Schwächen zu Stärken machen): Schokolade
Schoko …
Schohoooko …
Schokommmmmh …
Immer glaube ich, ich werde nicht fertig.
Immer glaube ich, ich schaffe es nicht, fertig zu werden,
die Tafel nicht fertig zu machen,
nicht aufzuessen bis zum letzten Brösel.
Immer glaube ich das.
Haben Sie das auch schon bemerkt, dass auf Schokoladentafeln immer steht:
Mindestens haltbar bis …
Und dass das einfach nicht stimmt?!
Keine einzige Schokolade hält doch, bitte, jemals sechs Monate im Schrank.
Okay, Osterhasen vielleicht.
Oder diese Kringel vom Christbaum. Rosa weiß,
Aber die sind ja auch gar nicht aus Schokolade.
Also ich jedenfalls: Wenn mir so eine Schokolade entgegen schaut,
das Silberpapier so kess über die Schulter gezogen,
die oberen Rippen entblößt, bis …
dann überkommt mich einfach dieser Impuls:
Anbeißen, abbeißen, schmelzen lassen, vernaschen.
Öhm.
Wieso lachen Sie nicht über diesen Vergleich?
Schokolade als Pin up Girl im Negligee – und ich.
Okay, wenn ich ein Mann wäre, hätten Sie dann gelacht?
Nö, nö. Wäre doch voll sexistisch gewesen. Das geht ja heutzutage gar nicht.
Wenn hier jemand irgendjemand auf offener Bühne. Frauen – nein: Dinge oder Metaphern,
denen Frauenänhliche Attribute zugeschrieben werden (Merken Sie den Wortwitz? Zugeschrieben)
… zugeschrieben werden, wenn hier jemand die vernaschen darf, dann sind das doch wir Frauen, oder?
Oder ist das dann ein Genderproblem oder so irgendwas mit LGBT oder …
Mist, ich bin in all dem nicht so firm.
Ist ein bisschen so wie mit der Rechtschreibreform.
Die hat mich kurz vor der Matura erwischt und bis heute weiß ich nicht, was jetzt eigentlich wie gilt. Katastrophe.
Nur gut, dass mein Mann fast gleich alt ist wie ich.
Der hat das Problem auch.
Also das Rechtschreibproblem.
Mit Gendern kennt er sich aus. Ganz offiziell.
Und mit dem Vernaschen – also, da sind bei uns die Rollen ganz klar verteilt.
Gleichberechtigt.
Schokoladenmäßig, versteht sich.
Noch ein Grund mehr, das Ding ganz aufzuessen.
Sonst tut er es nämlich. Und er nimmt gerade ab.
Es ist also quasi ein altruistischer Akt,
wenn ich nach dem ersten Bissen den zweiten lutsche
und den dritten …
und den vierten, den kaue ich dann schon
und die nächste Rippe schon schneller und die dritte Rippe dann schon,
eher so wie einen Müsliriegel.
Ich affirmiere mir das dann auch: Ist Müsli. Ist total gesund- Hat Ballaststoffe.
Und das Braune ist … Obst.
Und dann?
Dann hoffe ich immer, dass das passiert, was meine Mama immer gesagt hat:
Dir wird schlecht werden.
Aber nein, mir wird überhaupt nicht schlecht,
sondern ich will das Ding fertigkriegen.
Weil irgendwie hat sie das doch auch immer gesagt – oder war das mein Papa?
Dass man Dinge fertig machen soll und nicht mittendrin aufhören.
Obwohl ich ja weiß, dass das schokotechnisch gesünder wäre.
Vielleicht nicht für meinen Mann, aber für mich.
Mittendrin. Aufhören.
Mittendrin.
Ich schaff das fast nicht.
Aber wissen Sie was?
Ich tu es jetzt einfach.
Aufhören.
Mittendrin.