Medikamentenspiegel in der Psychiatrie – YouTube

Therapeutisches Drug Monitoring

Therapeutisches Drug Monitoring — das Wichtigste in Kürze · Folien als PDF

Wann lohnt sich eine Blutspiegelbestimmung, wann ist sie überflüssig? Ich zeige dir die typischen Indikationen, den richtigen Abnahmezeitpunkt und worauf du dich beim Referenzbereich orientierst.

Die Kernpunkte:

  • Sechs klassische Indikationen: Nimmt der Patient das Medikament überhaupt ein (Spiegel = Null?), bleibt die Wirkung aus (zu niedrig?), treten starke Nebenwirkungen auf (zu hoch?), enges therapeutisches Fenster (z.B. Lithium), relevante Interaktionen oder Verdacht auf Intoxikation.
  • Talspiegel im Steady State: Gemessen wird in der Regel der niedrigste Spiegel direkt vor der nächsten Einnahme, und erst dann, wenn das Medikament eingependelt ist (nach ca. 4-5 Halbwertszeiten) — sonst sind die Werte nicht aussagekräftig.
  • Abnahmezeitpunkt dokumentieren: Wurde nicht zum Talspiegel abgenommen, gibt es Korrekturfaktoren — am wichtigsten ist, dass Abnahmezeit und letzte Einnahme im Befund stehen, sonst lässt sich der Wert nicht interpretieren.
  • Referenzbereich kennen, nicht starr anwenden: Die Konsensus-Leitlinie (Hiemke et al.) gibt für jede Substanz einen therapeutischen Bereich an — er ist Orientierung, behandelt wird aber der Patient, nicht der Laborwert.
  • Pflicht vs. Kür: Bei Lithium und Clozapin ist TDM Standard und unverzichtbar; bei vielen anderen Substanzen ist es ein hilfreiches Werkzeug für konkrete Fragen, kein Routinescreening.

Merke: TDM beantwortet eine konkrete Frage — nimmt er's ein, wirkt's nicht, ist's zu viel? Talspiegel im Steady State, Abnahmezeit dokumentieren, und den Referenzbereich als Orientierung statt als Dogma nutzen.