Pharmakotherapie bei Borderline — das Wichtigste in Kürze · Folien als PDF
Fast jede:r Borderline-Patient:in bekommt Medikamente — obwohl die Evidenz dafür dünn ist. Ich ordne ein, was die Studienlage wirklich hergibt und wie man pragmatisch und ehrlich damit umgeht.
Die Kernpunkte:
- Psychotherapie ist First Line: Borderline behandelt man primär mit Psychotherapie (z.B. DBT). Medikamente sind bestenfalls ergänzend — die NICE-Leitlinie empfiehlt mangels Evidenz sogar gar keine spezifische Pharmakotherapie.
- Kein Medikament behandelt "das Borderline": Es gibt keine zugelassene Substanz und keinen Wirkstoff, der die Störung als Ganzes bessert. Man behandelt allenfalls einzelne Zielsymptome oder klare Komorbiditäten.
- Symptomorientiert denken: Manche Substanzen zeigen in Studien Effekte auf Teilbereiche — z.B. Stimmungsstabilisierer auf Impulsivität und Affektinstabilität, niedrigdosiertes Quetiapin auf die Gesamtschwere. Die Datenlage bleibt aber dünn und uneinheitlich.
- SSRI werden oft gegeben, helfen aber wenig: Antidepressiva sind weit verbreitet, ohne dass die Evidenz das stützt — sinnvoll nur bei einer eindeutigen komorbiden Depression oder Angststörung.
- Polypharmazie vermeiden: Gerade hier sammeln sich schnell viele Medikamente an. Weniger ist meist mehr — kritisch prüfen, absetzen, was nicht nachweisbar hilft, und nicht in Krisen reflexhaft neu ansetzen.
Merke: Psychotherapie zuerst. Medikamente nur gezielt gegen klare Zielsymptome oder echte Komorbiditäten, in Maßen und zeitlich begrenzt — und ehrlich kommunizieren, dass kein Medikament die Borderline-Störung heilt.