Depot-Antipsychotika — das Wichtigste in Kürze · Folien als PDF
Depots haben andere Vor- und Nachteile, als man oft denkt. Ich räume mit den gängigen Mythen auf und zeige, für wen sie wirklich sinnvoll sind und wie du praktisch umstellst.
Die Kernpunkte:
- Der echte Vorteil ist die Sicherheit: Der Hauptnutzen ist nicht ein "besserer Spiegel" oder weniger Nebenwirkungen, sondern dass man sicher weiß, ob der Patient sein Medikament bekommen hat — und ein langsames, sichtbares Nachlassen statt eines stillen Absetzens.
- Die gängigen Mythen stimmen so nicht: Ein gleichmäßigerer Spiegel macht nicht automatisch weniger Nebenwirkungen, und ein Depot bringt keine grundsätzlich bessere Wirkung als Tabletten — alte Öl-Depots wie Haloperidol-Decanoat machen in den ersten Tagen sogar mehr Nebenwirkungen.
- Erst Tablette, dann Depot: Immer zuerst die Verträglichkeit oral über einige Wochen prüfen. Fast jedes atypische Depot (außer OKEDI) braucht eine mehrwöchige überlappende Tablettengabe, bis der Wirkspiegel trägt.
- Wer Antipsychotika ablehnt, lehnt auch Depots ab: Ein Depot ist kein Trick gegen grundsätzliche Ablehnung — es eignet sich für Menschen, die das Medikament wollen, aber die Einnahme vergessen oder das Depot komfortabler finden, sowie bei wechselnder Compliance oder Zwangsmedikation.
- Nachteile ehrlich benennen: Depots können Spritzenabszesse verursachen, sind teurer als Tabletten und werden von der Industrie stärker beworben. Diesen Nachteilen muss ein klar erkennbarer Vorteil gegenüberstehen.
Merke: Der wahre Wert des Depots ist Verlässlichkeit und sichtbare Compliance, nicht ein "besserer Spiegel". Erst oral testen, überlappend umstellen — und nur einsetzen, wenn ein klarer Vorteil den Nachteilen gegenübersteht.