ADHS-Therapeutika — das Wichtigste in Kürze · Folien als PDF
Viele Eltern fürchten: "Ritalin ist ein Amphetamin, das macht süchtig!" Ich zeige dir, warum das so nicht stimmt — und welche Substanzen ich nach der S3-Leitlinie bei ADHS einsetze: die Stimulanzien Methylphenidat und Lisdexamfetamin sowie die Nicht-Stimulanzien Atomoxetin und Guanfacin.
Die Kernpunkte:
- Methylphenidat: das Standard-Stimulans (z.B. Ritalin, Medikinet, Concerta) — hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Wirkt rasch, gut steuerbar, in vielen Retard-Formen verfügbar.
- Lisdexamfetamin: ein Prodrug, das erst im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt wird — dadurch langer, gleichmäßiger Wirkverlauf und geringeres Missbrauchspotenzial. Oft Mittel der Wahl, wenn Methylphenidat nicht ausreicht.
- Atomoxetin: ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und damit ein Nicht-Stimulans ohne Suchtpotenzial; Wirkung tritt erst über Wochen ein. Option, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen.
- Guanfacin: ein α2A-Agonist, ebenfalls ein Nicht-Stimulans — vor allem bei Hyperaktivität/Impulsivität und Tics, auch als Kombinationspartner.
- Suchtmythos: Stimulanzien haben grundsätzlich ein Missbrauchspotenzial (v.a. nasal), aber: behandelte ADHS-Patient:innen haben ein niedrigeres Suchtrisiko als unbehandelte.
Merke: Psychostimulanzien sind bei ADHS gut wirksam und sicherer als ihr Ruf — die leitliniengerechte Behandlung senkt sogar das spätere Suchtrisiko. Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) zuerst, Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin, Guanfacin) als Alternative oder Ergänzung.