Melatonin — das Wichtigste in Kürze · Folien als PDF
Melatonin ist das Hormon der Zirbeldrüse und reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus. Als Schlafmittel wirkt es nur moderat, ist dafür aber praktisch nebenwirkungsfrei und macht nicht abhängig. Seine eigentliche Stärke liegt bei zirkadianen Störungen.
Die Kernpunkte:
- Wirkprofil: Hormon der Zirbeldrüse, das den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert. Die Wirkung hängt stark vom Timing ab; Licht wirkt ihm entgegen. Es ist ein Rhythmisierer, kein klassisches Schlafmittel.
- Wirksamkeit bei Insomnie: nur moderate Effekte — Einschlafzeit im Mittel ca. 7 Minuten kürzer, Gesamtschlafzeit ca. 8 Minuten länger (Ferracioli-Oda 2013). Mittel der ersten Wahl bei Insomnie bleibt die kognitive Verhaltenstherapie.
- Indikation & Dosierung: als rezeptpflichtiges Retardpräparat (Circadin 2 mg) ab 55 Jahren zugelassen, Therapiedauer max. 13 Wochen, Einnahme 1–2 h vor dem Zubettgehen. Unter 2 mg viele rezeptfreie OTC-Präparate. Wichtig: täglich zur gleichen Zeit, nicht bei Bedarf.
- Spezielle Indikationen: hier liegt die eigentliche Stärke — bei blinden Menschen (Non-24), beim Schichtarbeitersyndrom und gegen Jetlag (v.a. Ostflüge, nicht-retardiertes Melatonin 1 h vor der Zielschlafzeit).
- Verträglichkeit & Interaktion: sehr nebenwirkungsarm (selten Schläfrigkeit, Kopfschmerz, Schwindel), macht nicht abhängig. Vorsicht mit Fluvoxamin: starker CYP1A2-Hemmer, der den Melatoninspiegel massiv erhöhen kann.
Merke: Bei normaler Schlafstörung wirkt Melatonin nur moderat — aber es ist nebenwirkungsfrei, macht nicht abhängig und gefährdet nicht im Straßenverkehr, also einen Versuch wert. Man nimmt es täglich, nicht bei Bedarf. Richtig stark ist es bei Blinden, Schichtarbeitersyndrom und Jetlag.