Märkte, Geldpolitik, Marktbewertung und Basisrisiken
Wirtschaftliche Grundlagen erklären, wie Kapital für Investitionen bereitgestellt wird, wie sich Preise und Zinsen bilden, wie die Geldpolitik auf Wirtschaft und Finanzmärkte wirkt, nach welchen Kriterien Märkte beurteilt werden und welche übergeordneten Risiken nahezu jede Finanzanlage beeinflussen.
Markt und Beteiligte
Märkte und wirtschaftliche Zusammenhänge bilden die Grundlage für das Verständnis von Finanzanlagen. Wer Preisbildung, Kapitalbereitstellung und Konjunktur versteht, kann wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Wirkung auf Anlageentscheidungen besser einordnen.
Sparen als Grundlage von Investitionen
Sparen bedeutet, gegenwärtig nicht den gesamten verfügbaren Betrag zu verbrauchen, sondern einen Teil für spätere Zwecke zurückzulegen. Diese Ersparnisse sind eine wesentliche Voraussetzung für Investitionen, weil Unternehmen, Staat und andere Wirtschaftssubjekte Kapital benötigen, um Produktionsmittel anzuschaffen, Kapazitäten auszubauen oder neue Vorhaben zu finanzieren.
Im einfachen Wirtschaftskreislauf stehen sich private Haushalte und Unternehmen gegenüber. Private Haushalte stellen Arbeit, Kapital und Nachfrage nach Gütern bereit. Unternehmen fragen Produktionsfaktoren nach und bieten Güter sowie Dienstleistungen an. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf kommen insbesondere Staat, Kreditinstitute und Ausland hinzu. Erst dadurch wird sichtbar, wie Ersparnisse über das Finanzsystem zu Investitionen werden.
Ersparnisse fließen nicht automatisch in produktive Vorhaben. Dazwischen stehen Institute, Märkte und Verträge. Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute bündeln Kapital, gleichen Fristen aus und leiten Mittel in die Wirtschaft weiter. Ohne Sparen wäre eine dauerhafte Finanzierung von Investitionen deutlich erschwert.
Angebot und Nachfrage
Ein Markt funktioniert, wenn Anbieter und Nachfrager aufeinandertreffen. Angebot ist die Menge eines Gutes oder Rechts, die zu einem bestimmten Preis verkauft werden soll. Nachfrage ist die Menge, die zu einem bestimmten Preis gekauft werden soll. Bei Finanzanlagen können die gehandelten Güter etwa Aktien, Anleihen, Fondsanteile, Devisen oder Kapital selbst sein.
Grundsätzlich gilt:
- Steigt bei gleichbleibendem Angebot die Nachfrage, steigen Preis und regelmäßig auch die gehandelte Menge.
- Steigt bei gleichbleibender Nachfrage das Angebot, sinkt der Preis, während die gehandelte Menge tendenziell zunimmt.
- Sinkt die Nachfrage, verschiebt sich die Nachfragekurve nach links; typischerweise fallen Gleichgewichtspreis und gehandelte Menge.
Auf Finanzmärkten sind Preise insbesondere Börsenkurse, Anteilpreise und Zinssätze. Märkte reagieren dort oft besonders schnell, weil nicht nur gegenwärtige Daten, sondern auch Erwartungen über Zinsen, Gewinne, Konjunktur oder politische Entwicklungen eine Rolle spielen.
Preisbildung in funktionierenden Märkten
Der Preis bildet sich in funktionierenden Märkten dort, wo sich Angebot und Nachfrage ausgleichen. Dieser Punkt wird als Gleichgewicht bezeichnet. Der Gleichgewichtspreis ist also der Preis, bei dem die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht.
Für eine funktionierende Preisbildung sind insbesondere wichtig:
- Marktteilnehmer auf beiden Seiten
- ein handelbares Gut oder Recht
- Informationen über Preis und Bedingungen
- rechtlich durchsetzbare Verträge
- Wettbewerb und Markttransparenz
Ist die Nachfrage größer als das Angebot, spricht man von einem Verkäufermarkt. Dann haben Anbieter eine stärkere Stellung bei der Preisbildung. Übersteigt dagegen das Angebot die Nachfrage, liegt ein Käufermarkt vor. Dann können Nachfrager stärkeren Einfluss auf den Preis ausüben.
Der Preis hat mehrere Aufgaben. Er informiert über Knappheit, koordiniert Angebot und Nachfrage und lenkt Kapital und Produktionsfaktoren in solche Verwendungen, die wirtschaftlich als besonders attraktiv erscheinen.
Aufgaben der Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute übernehmen im Wirtschaftskreislauf eine Vermittlerfunktion. Sie bringen Kapitalgeber und Kapitalnehmer zusammen und machen aus vielen einzelnen Sparbeträgen einsetzbares Finanzierungsvolumen.
Ihre wichtigsten wirtschaftlichen Funktionen sind:
- Losgrößentransformation: Viele kleine Einlagen werden zu größeren Finanzierungsbeträgen gebündelt.
- Fristentransformation: Kurzfristig verfügbare Mittel können teilweise in längerfristige Kredite umgewandelt werden.
- Risikotransformation: Risiken werden geprüft, verteilt und über viele Engagements gestreut.
- Informations- und Prüfungsfunktion: Bonität, Sicherheiten und wirtschaftliche Tragfähigkeit werden beurteilt.
- Zahlungsverkehrs- und Abwicklungsfunktion: Geldströme werden sicher und effizient organisiert.
Kreditinstitute sind damit Kapitalsammelstellen. Sie schaffen aus vielen meist kleineren und oft kurzfristig verfügbaren Einlagen Finanzierungsmöglichkeiten für Konsum und Investitionen. Im heutigen Geldsystem können Geschäftsbanken durch Kreditvergabe außerdem Buchgeld schaffen, während Zentralbanken Zentralbankgeld bereitstellen.
Konjunktur und Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Die Konjunktur beschreibt die Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft im Zeitablauf. Typisch sind die Phasen Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung und Rezession.
Im Aufschwung steigen regelmäßig Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, Einkommen und Nachfrage. Damit nehmen oft auch Preise, Gewinne und die Kreditnachfrage zu. Ein typischer Frühindikator des Aufschwungs sind Auftragseingänge. Die Arbeitslosenquote reagiert demgegenüber meist später.
In der Hochkonjunktur ist die Auslastung hoch, die Nachfrage stark und der Inflationsdruck nimmt zu. Im Abschwung sinken Nachfrage, Gewinne und Investitionen. In der Rezession ist die wirtschaftliche Aktivität deutlich geschwächt; prüfungsnah wird sie häufig daran erkannt, dass das reale Bruttoinlandsprodukt zurückgeht.
Für Finanzmärkte bedeutet das insbesondere:
- Im Aufschwung steigen oft Gewinnerwartungen und damit häufig auch Aktienkurse.
- Mit steigender Kreditnachfrage und höherem Inflationsdruck steigen oft auch die Zinsen.
- Steigende Marktzinsen belasten regelmäßig bestehende Anleihen mit niedrigerer Verzinsung.
- In Abschwung und Rezession sinken meist Risikobereitschaft, Investitionen und Gewinnerwartungen.
Konjunktur kann auch wirtschaftspolitisch beeinflusst werden. Typische stimulierende Maßnahmen sind eine höhere Staatsnachfrage oder investitionsfördernde Abschreibungsmöglichkeiten, weil sie Nachfrage und Investitionsanreize erhöhen können.
Aufgaben und Steuerungsmöglichkeiten der EZB
Die Europäische Zentralbank ist für die Geldpolitik im Euroraum verantwortlich. Ihr vorrangiges Ziel ist die Preisstabilität. Preisstabilität wird als eine Inflationsrate von 2 % auf mittlere Sicht verstanden. Andere wirtschaftspolitische Ziele dürfen nur unterstützt werden, soweit das Primärziel nicht beeinträchtigt wird.
Die EZB steuert nicht jeden einzelnen Marktpreis direkt. Sie beeinflusst vor allem die Liquidität im Bankensystem, die kurzfristigen Zinsen und damit die allgemeinen Finanzierungsbedingungen. Das wirkt auf Kreditvergabe, Konsum, Investitionen, Wechselkurse und Vermögenspreise.
Wichtige geldpolitische Instrumente sind:
- Offenmarktgeschäfte
- Ständige Fazilitäten
- Mindestreservepolitik
Kauft die EZB Wertpapiere oder stellt sie Banken zusätzliche Liquidität zur Verfügung, wirkt dies expansiv. Die Geldmenge steigt tendenziell, Kredite können günstiger werden und die Wirtschaft kann stimuliert werden. Verkauft die EZB Wertpapiere oder verknappt sie Liquidität, wirkt dies restriktiv. Die Geldmenge sinkt tendenziell und Inflationsdruck soll gebremst werden.
Auch Änderungen der Mindestreserve wirken auf die Liquidität. Höhere Mindestreserven binden mehr Mittel bei den Banken und wirken daher tendenziell geldmengenverknappend. Niedrigere Mindestreserven entlasten die Banken und können kreditfördernd wirken.
Die geldpolitische Grundrichtung hängt häufig von der Konjunkturlage ab:
- In Rezessionen wird eher expansiv gehandelt, um Nachfrage, Produktion und Beschäftigung zu stützen.
- Bei Überhitzung und hohem Inflationsdruck wird eher restriktiv gehandelt, um Preissteigerungen zu bremsen.
Die EZB legt nicht den Sparbuchzins der Kunden fest und bestimmt nicht unmittelbar den Wechselkurs Euro zu US-Dollar. Solche Größen entstehen am Markt, werden aber von der Geldpolitik beeinflusst.
Wichtigstes Beschlussorgan ist der EZB-Rat. Dort werden die grundlegenden geldpolitischen Entscheidungen getroffen.
Bewertungsfaktoren von Märkten
Märkte werden nicht allein nach aktuellen Kursen beurteilt. Für ihre wirtschaftliche Einordnung sind mehrere Bewertungsfaktoren maßgeblich. Die ersten vier bilden das magische Viereck der Wirtschaftspolitik. In einer erweiterten Betrachtung wird es häufig um Umweltschutz und gerechte Einkommensverteilung zum Sechseck ergänzt. Für die Marktanalyse bleiben daneben weitere Faktoren wie Marktaufbau, Demografie, BIP, politische Stabilität und Nachhaltigkeitsziele wichtig.
Stabilität des Preisniveaus
Ein stabiles Preisniveau ist eine zentrale Voraussetzung für verlässliche wirtschaftliche Planung. Steigt das allgemeine Preisniveau über längere Zeit, liegt Inflation vor. Maßgeblich ist dabei nicht der Preisanstieg einzelner Güter, sondern der dauerhafte Anstieg des allgemeinen Preisniveaus.
Inflation mindert die Kaufkraft des Geldes. Besonders betroffen sind unverzinste oder niedrig verzinste Geldvermögen. Für Anleger ist deshalb nicht nur die nominale, sondern vor allem die reale Rendite wichtig. Hohe Inflation kann dazu führen, dass nominale Zinserträge real an Wert verlieren.
Sachwerte wie Aktien oder Immobilien können in Inflationsphasen nominal im Wert steigen. Das bedeutet aber nicht automatisch einen realen Vermögenszuwachs, weil auch dort Angebot, Nachfrage und weitere Risiken zu berücksichtigen sind.
Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
Wirtschaftswachstum bedeutet die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Es wird prüfungsnah anhand der Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gemessen. Entscheidend ist also die inflationsbereinigte Wirtschaftsleistung, nicht bloß ein Anstieg der Preise.
Ein stetiges und angemessenes Wachstum ist günstiger als ein stark schwankender Verlauf. Zu schwaches Wachstum belastet Unternehmen, Beschäftigung und öffentliche Haushalte. Zu starkes, nicht tragfähiges Wachstum kann dagegen Überhitzung, Fehlentwicklungen und Inflationsdruck fördern.
Hoher Beschäftigungsgrad
Ein hoher Beschäftigungsgrad stärkt Einkommen, Konsum und soziale Stabilität. Wenn viele Menschen beschäftigt sind, steigen typischerweise die private Nachfrage und das Steueraufkommen. Gleichzeitig sinken häufig staatliche Ausgaben für Transferleistungen.
Beschäftigung darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Sehr hohe Auslastung kann auch mit Fachkräftemangel, steigenden Löhnen und höherem Preisdruck verbunden sein. Deshalb steht der Beschäftigungsgrad in engem Zusammenhang mit Wachstum und Preisniveau.
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht bedeutet eine auf Dauer tragfähige Relation zwischen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Ausland. Prüfungsnah wird es häufig über eine ausgeglichene Leistungsbilanz beschrieben. Wirtschaftlich wird außerdem oft der Außenbeitrag betrachtet, also Exporte minus Importe.
Ein positiver Außenbeitrag bedeutet einen Exportüberschuss. Das kann das Wirtschaftswachstum stützen, weil zusätzliche Nachfrage aus dem Ausland entsteht. Ein dauerhaft starkes Ungleichgewicht kann jedoch wirtschaftliche Spannungen und Abhängigkeiten erzeugen.
Wechselkurse beeinflussen diesen Faktor erheblich. Wertet der Euro auf, werden Importe in den Euroraum typischerweise günstiger, während Exporte aus dem Euroraum im Ausland tendenziell teurer werden.
Aufbau der Märkte
Die Marktstruktur beeinflusst Wettbewerb, Preisbildung und Marktmacht. Nach der Zahl der Anbieter und Nachfrager werden insbesondere Monopol, Oligopol und Polypol unterschieden.
- Monopol: nur ein Anbieter oder ein Nachfrager dominiert den Markt
- Oligopol: wenige Anbieter oder wenige Nachfrager prägen den Markt
- Polypol: viele Anbieter und viele Nachfrager stehen sich gegenüber
Ein idealtypischer Markt liegt vor, wenn auf Anbieter- und Nachfragerseite jeweils ein Polypol besteht. Dann ist der Einfluss einzelner Marktteilnehmer auf den Preis gering, und Wettbewerb kann besonders wirksam funktionieren.
Bei wenigen Anbietern gegenüber vielen Nachfragern liegt typischerweise ein Angebotsoligopol vor. Diese Marktform ist prüfungsrelevant.
Demografische Entwicklungen
Demografische Entwicklungen verändern Konsum, Sparverhalten, Arbeitskräfteangebot und staatliche Ausgaben. Eine alternde Bevölkerung erhöht oft den Bedarf an Altersvorsorge und Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig kann ein sinkendes Erwerbspersonenpotenzial das Wachstum dämpfen.
Für Märkte bedeutet das veränderte Nachfrageprofile, andere Branchenschwerpunkte und langfristige Verschiebungen der Kapitalströme. Demografie ist deshalb ein struktureller Bewertungsfaktor.
Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt erfasst den Wert aller innerhalb eines Landes in einem bestimmten Zeitraum erzeugten Endgüter und Dienstleistungen. Es wird in Deutschland vom Statistischen Bundesamt berechnet und veröffentlicht.
Für das BIP gilt das Inlandsprinzip. Entscheidend ist also, dass die Leistung im Inland erbracht wird, nicht welche Staatsangehörigkeit die Produzenten haben. Deshalb ist die Aussage falsch, es würden nur die von deutschen Staatsbürgern erbrachten Leistungen erfasst.
Zu unterscheiden sind:
- Nominales Bruttoinlandsprodukt: zu laufenden Preisen bewertet
- Reales Bruttoinlandsprodukt: um Preisveränderungen bereinigt
Für die Messung des Wirtschaftswachstums ist das reale Bruttoinlandsprodukt maßgeblich.
Politische Stabilität
Politische Stabilität bedeutet verlässliche Institutionen, Rechtssicherheit, Eigentumsschutz und berechenbare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Sie stärkt Investitionsbereitschaft und senkt Risikoaufschläge.
Politische Instabilität kann dagegen Kapitalabflüsse, höhere Finanzierungskosten und schwankende Wechselkurse auslösen. Für Anleger ist sie deshalb ein wichtiger Bestandteil der Marktbeurteilung und des allgemeinen Länderrisikos.
Gesamtgesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele
Gesamtgesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele betreffen insbesondere Umwelt, Ressourcen, soziale Stabilität und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Sie beeinflussen Regulierung, Finanzierungskosten, Nachfrage und Bewertungen von Unternehmen und Staaten.
Nachhaltigkeitsziele schaffen Chancen durch Innovation und neue Märkte, können aber auch Risiken auslösen, etwa durch Umstellungskosten, strengere Vorgaben oder den Wertverlust nicht zukunftsfähiger Geschäftsmodelle.
Basisrisiken
Basisrisiken sind übergreifende Risiken, die viele Anlageformen gleichzeitig betreffen können. Sie entstehen nicht erst aus den Besonderheiten eines einzelnen Produkts, sondern aus allgemeinen wirtschaftlichen, marktbezogenen oder rechtlichen Einflussfaktoren.
Konjunkturrisiko
Das Konjunkturrisiko beschreibt die Gefahr, dass eine schwache wirtschaftliche Entwicklung den Wert oder Ertrag einer Anlage beeinträchtigt. Sinkende Nachfrage, rückläufige Gewinne und höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten können Kurse belasten und Risiken erhöhen.
Besonders konjunkturabhängige Branchen reagieren meist stärker als defensive Geschäftsmodelle. Vollständig ausschließen lässt sich dieses Risiko nicht.
Inflationsrisiko
Das Inflationsrisiko besteht im Verlust von Kaufkraft. Besonders betroffen sind Geldvermögen und festverzinsliche Anlagen, wenn deren Ertrag unter der Inflationsrate liegt. Dann wird der Realzins negativ.
Inflation benachteiligt typischerweise Gläubiger und Inhaber unverzinster Geldbestände. Kreditnehmer können bei fest vereinbarten Rückzahlungsbeträgen real entlastet werden, weil sie mit künftig weniger werthaltigem Geld zurückzahlen.
Länderrisiko und Transferrisiko
Das Länderrisiko umfasst politische, wirtschaftliche und rechtliche Risiken eines Staates. Dazu zählen etwa politische Instabilität, staatliche Eingriffe, Sanktionen oder schwere Wirtschaftskrisen.
Das Transferrisiko ist ein besonderer Teil davon. Es liegt vor, wenn Zahlungen zwar geschuldet sind, aber wegen staatlicher Beschränkungen nicht oder nicht frei in eine andere Währung oder in ein anderes Land transferiert werden können. Typische Beispiele sind Konvertierungsverbote oder Kapitalverkehrsbeschränkungen.
Währungsrisiko
Das Währungsrisiko entsteht bei Anlagen in fremder Währung. Der Anlageerfolg hängt dann nicht nur von der Wertentwicklung des Investments selbst, sondern zusätzlich vom Wechselkurs ab.
Wertet der Euro gegenüber der Fremdwährung auf, sinkt der in Euro umgerechnete Wert der Auslandsanlage tendenziell. Wertet der Euro ab, kann das die Rendite erhöhen. Wechselkursschwankungen beeinflussen aber nicht nur einzelne Anlagen, sondern auch Importpreise, Exporte und damit ganze Volkswirtschaften.
Volatilität
Volatilität ist die Schwankungsbreite eines Investments in einem bestimmten Zeitraum der Vergangenheit. Sie ist damit eine zeitraumbezogene Risikokennziffer und keine Garantie für die künftige Entwicklung.
Hohe Volatilität bedeutet stärkere Kursschwankungen. Das erhöht Unsicherheit und kann zu ungünstigen Kauf- oder Verkaufszeitpunkten führen. Volatilität beschreibt jedoch weder Bonität noch Ausschüttungshöhe.
Liquiditätsrisiko
Ein Liquiditätsrisiko liegt vor, wenn eine Anlage nicht jederzeit, nicht rechtzeitig oder nur mit deutlichen Preisabschlägen veräußert werden kann. Maßgeblich ist also nicht nur, ob ein Verkauf möglich ist, sondern zu welchen Bedingungen.
Auch grundsätzlich liquide Märkte schließen dieses Risiko nicht vollständig aus. Selbst hoher Börsenhandel, Market Maker oder börsentägliche Rückgabemöglichkeiten beseitigen Liquiditätsrisiken nicht in jeder Marktlage.
Psychologisches Marktrisiko
Psychologisches Marktrisiko entsteht durch menschliches Verhalten. Angst, Gier, Herdenverhalten, Panik oder Euphorie können Kurse von fundamentalen Werten entfernen und Preisausschläge verstärken.
Dieses Risiko zeigt sich besonders in Boom- und Krisenphasen. Dann werden Risiken oft entweder unterschätzt oder überbewertet. Psychologische Faktoren verstärken deshalb häufig andere Basisrisiken.
Kreditfinanzierte Investments
Wer ein Investment ganz oder teilweise auf Kredit finanziert, erhöht Chancen und Risiken zugleich. Der Fremdkapitaleinsatz kann die Eigenkapitalrendite zwar steigern, wirkt aber nur dann günstig, wenn die Rendite des Investments über den Fremdkapitalkosten liegt.
Fällt die Anlagerendite niedriger aus oder entstehen Verluste, muss der Kredit dennoch weiter bedient werden. Dadurch können Verluste verstärkt werden. Kreditfinanzierte Investments bergen deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko.
Steuerliche Risiken
Steuerliche Risiken entstehen, weil sich steuerliche Rahmenbedingungen ändern können oder weil die individuelle steuerliche Behandlung von persönlichen Verhältnissen und Produktmerkmalen abhängt.
Für Anleger zählt nicht allein die Bruttorendite, sondern der Ertrag nach Steuern. Änderungen bei Steuersätzen, Freibeträgen oder Verlustverrechnung können die tatsächliche Rendite erheblich verändern.
Emittentenrisiko
Das Emittentenrisiko ist die Gefahr, dass der Herausgeber einer Finanzanlage seine Verpflichtungen nicht oder nicht vollständig erfüllt. Besonders deutlich zeigt sich das bei Anleihen und Zertifikaten, weil dort Zins- und Rückzahlungsansprüche vom Emittenten abhängen.
Verschlechtert sich seine Bonität oder fällt er aus, drohen Verluste bis hin zum Totalausfall. Auch bei Aktien besteht ein Emittentenbezug, dort vor allem über sinkende Gewinne, Dividendenkürzungen und Kursverluste.